×

Gengenbach: 07803 89-0
OG Ebertplatz: 0781 472-0
OG St. Josefsklinik: 0781 472-0

Aktuelles und Termine | Aktuelle Mitteilungen und Veranstaltungstermine im Überblick | Archiv Archivierte Mitteilung

Deutschlands Südwesten: Das Geheimnis gesunden Alterns

Mitteilung Offenburg-Gengenbach

Menschen in Baden-Württemberg leben länger und gesünder als der Bundesdurchschnitt – das Magazin „Stern“ widmet sich in seiner aktuellen Ausgabe diesem Phänomen. Ärzten und Experten des Ortenau Klinikums sind die Hintergründe des gesunden Alterns in Südwestdeutschland schon seit längerem bekannt.

Das Geheimnis eines langen Lebens - die Bewohner der „Insel der Glückseligkeit“ auf dem japanischen Archipel Okinawa kennen es. Hier leben die ältesten und gesündesten Menschen der Welt. Diabetes und Herz-Kreislauf-Beschwerden beispielsweise sind weitgehend unbekannt. In Deutschland erreichen die Menschen im Südwesten das höchste Alter und leben in vielen Belangen gesünder als Bewohner anderer Bundesländer: Ein heute in Baden-Württemberg geborener Junge wird nach aktuellen Prognosen durchschnittlich 78,9 Jahre alt, ein Mädchen 83,5 Jahre (Quelle: Statistisches Landesamt 2012). Auch im europaweiten Vergleich der Lebenserwartung rangiert Baden Württemberg auf dem dritten Platz – nach Italien und Schweden.
 
Was macht die Baden-Württemberger so gesund?
Ärzten des Ortenau Klinikums zufolge liegt das am gesünderen Lebensstil der Menschen in Südwestdeutschland, insbesondere auch in Baden. Gesundheitsexperten des Ortenau Klinikums nennen vor allem vier wichtige Faktoren, die zu dem höheren Lebensalter in Baden-Württemberg beitragen. Und sie erklären, wie die Menschen in Südwestdeutschland beispielsweise Herz-Kreislauf-Erkrankungen, dem Gesundheitsrisiko Nummer eins in westlichen Industrienationen, vorbeugen.
 
1. Weniger Menschen mit krankhaftem Übergewicht
Erste Hinweise gibt der Lebensmittelkonsum. Laut der letzten Einkommens- und Verbraucherstudie geben Privathaushalte in Baden-Württemberg rund 38 Euro mehr im Monat für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke aus als der Bundesdurchschnitt (Quelle: Einkommens- und Verbrauchsstichprobe Deutschland). Aufschlussreich ist dabei, welche Lebensmittel gekauft  werden. Kein anderes Bundesland gibt so viel für frisches Obst aus. Sabine Schwarz ist Diätassistentin und Ernährungsberaterin/DGE am Ortenau Klinikum in Offenburg. Hier ist die gesunde Ernährung Basis für die Gesundheitsförderung und Gesundheitserhaltung sowie für ernährungstherapeutische Maßnahmen bei verschiedenen Erkrankungen: „Gerade in unserer Region ist es einfach, dem Körper alle wichtigen Nähr- und Wirkstoffe über eine abwechslungsreiche Ernährung zuzuführen. Mit heimischem Obst und Gemüse wird die Gesundheit optimal unterstützt. Zwei Portionen Obst pro Tag sind Bestandteil einer gesunden Ernährung und haben nachweislich positiven Effekt. Sie minimieren das Risiko für ernährungsabhängige Erkrankungen wie Adipositas, Diabetes mellitus Typ2 und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.“ In Baden-Württemberg sind derzeit 49,3 Prozent der Menschen übergewichtig, der Bundesschnitt liegt bei 51,4 Prozent (Quelle: Mikrozensus).
 
2. Überdurchschnittlich viele Sportangebote: Bewegung statt Medikamente
Das Okinawa-Prinzip lautet: „Sich regen bringt Segen.“ Dass die positive Wirkung regelmäßiger Bewegung gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann, bestätigt auch Dr. Bruno Schweigert, Chefarzt der Orthopädie des Ortenau Klinikums in Gengenbach, zu der auch die interdisziplinäre Sportmedizin Ortenau gehört. „Jedes Gelenk, jeder Knochen wird von Bändern und Muskeln gehalten und fixiert, die wiederum regelmäßig beansprucht werden müssen, um die volle Funktionalität zu behalten“, so Dr. Schweigert. „Unser gesamter Bewegungs- und Stützapparat ist auf regelmäßige Bewegung ausgelegt und angewiesen. Egal ob Nordic Walking, Jogging oder anderer Freizeitsport, alle diese Bewegungsabläufe beugen Erkrankungen und Schädigungen von Gelenken und Knochen vor.“ Auch aus Sicht der Altersmedizin ist körperliche Bewegung „der Schlüssel zum gesunden Altern“.
 
Regelmäßig in Bewegung bleiben – das steht nachweislich auch bei vielen Menschen in Baden-Württemberg ganz oben in der Lebensplanung. In der starken Beteiligung der Baden-Württemberger an Bewegungsangeboten liegt einer der Gründe für die hohe Lebenserwartung. Nach Bayern und Nordrhein-Westfalen gibt es in Baden-Württemberg die meisten Sportvereine, über 11.400 mit über 21.700 Abteilungen (Quelle: Sportentwicklungsbericht 2009/2010). Mehr als 25 Prozent der Bevölkerung sind im Südwesten Deutschlands Mitglied in einem Sportverein. Rund 36 Prozent der Vereine in Baden-Württemberg bieten Sportangebote aus dem Bereich Gesundheit und Rehabilitation an, der Bundesdurchschnitt liegt dagegen bei nur 31,3 Prozent. Der hohen Bedeutung von Freizeitsport ist sich auch das Ortenau Klinikum bewusst: „In enger Kooperation mit den Hausärzten der Region bieten wir allen Freizeitsportlern und Bewegungsinteressierten eine sportmedizinische Betreuung bei ihrem Neu- oder Wiedereinstieg. Wir wollen Risiken wie eine Überforderung des Herz-Kreislaufsystems minimieren und möchten, dass den Menschen der Sport Freude bereitet“, so Dr. Christian Haefele, der gemeinsam mit Dr. Christian Hensler das interdisziplinäre Zentrum für Sportorthopädie und Leistungsdiagnostik des Ortenau Klinikums leitet.
 
3. Altersmedizin und die besten Pflegeheime: Zufriedenheit im hohen Lebensalter
In Okinawa gibt es die gesündesten alten Menschen. Bei uns in Deutschland stellt der demografische Wandel neue Anforderungen an Kliniken und Pflegeheime. Baden-Württemberg hat aktuellen Studien zufolge im Ländervergleich mehr Pflegeheime mit guter Qualität als andere Bundesländer. Von deutschlandweit 869 Altenpflegeheimen kann der Südwesten 293 Top-Einrichtungen vorweisen (Quelle: Medizinischer Dienst der Krankenversicherung), gefolgt von Nordrhein-Westfalen mit 193. Zum Vergleich: In Bayern sind nur 27 Pflegeheime derart ausgezeichnet.  Dazu kommt: Am Ortenau Klinikum stellt man sich mit dem medizinischen Leistungsangebot den zukünftigen Anforderungen. „Wie es auch bei ganz jungen Menschen, also Kindern, der Fall ist, erfordert die Behandlung alter Menschen ein anderes Denken und Handeln“, erklärt Prof. Dr. Klaus Schmidtke, Facharzt für Neurologie und Geriater. „Hierfür sind am Ortenau Klinikum in Offenburg eine Altersmedizinerin und drei Altersmediziner tätig. Die Altersmedizin, auch als Geriatrie bezeichnet, berücksichtigt die besondere medizinische, psychische und soziale Situation alter Menschen.“ Sie strebt nicht nur die Behandlung akuter Erkrankungen an, sondern bemüht sich auch aktiv um die Rehabilitation, die Verbesserung von geistigen und körperlichen Funktionen und die Wiedereingliederung in das Alltagsleben.
 
4. Die niedrigste Raucherquote
Rauchen ist laut der Weltgesundheitsorganisation WHO das größte Risiko für gefährliche Erkrankungen und frühe Sterblichkeit. Im Vergleich der Bundesländer gibt es auch in Baden-Württemberg die niedrigste Raucherquote, fast 76 Prozent der Einwohner sind Nichtraucher (Quelle: Mikrozensus). „Unserer Einschätzung nach rauchen seit einigen Jahren weniger Patienten und vor allem weniger junge Patienten – zum Vorteil der Gesundheit“, stellt Priv.-Doz. Dr. Siegfried Wieshammer fest, er ist Chefarzt der Fachklinik für Kardiologie, Pneumologie, Angiologie und Intensivmedizin am Ortenau Klinikum in Offenburg. In der Tat ist laut Statistik der Anteil der Raucher gegenüber 2005 zurückgegangen. „An allen Stellen im Körper, die mit eingeatmetem Rauch in Kontakt kommen, kann Krebs entstehen - Mundhöhle, Kehlkopf, Lunge und Speiseröhre. Bei den genannten Organen gehen sogar bis zu 90 Prozent aller Krebsfälle auf das Konto des Tabaks. Auch andere Organe entwickeln öfter Krebs, weil die giftigen Inhaltsstoffe mit dem Blut verteilt werden“, so Priv.-Doz. Dr. Wieshammer. Seine große Sorge gilt auch der COPD (Chronisch obstruktive Lungenerkrankung, „Raucherlunge“) und den Herz-Kreislauferkrankungen, an denen die größte Zahl der Raucher stirbt.
 
Ein okinawisches Sprichwort lautet: „Ohne Hilfe der anderen kannst du nicht leben.“ Auch die Vortragsreihe „Schüler Gesundheitsakademie Ortenau“ leistet mit jugendrelevanten Themen wie Rauschmittelmissbrauch und Rauchen einen wichtigen Beitrag zur Sensibilisierung junger Menschen. Das Ortenau Klinikum will Hilfestellung geben, bevor Klinikaufenthalte nötig werden. „Hier in der Region stoßen wir mit unseren Angeboten zu Gesundheitsfragen auf ein hohes Interesse“, so Priv.-Doz. Dr. Wieshammer, der auch ärztlicher Leiter der Schüler-Gesundheitsakademie am Ortenau Klinikum in Offenburg ist, die regelmäßig Vortragsveranstaltungen für Schulen anbietet. „Es motiviert uns ungemein, dass wir mit unseren Schülervorträgen einen eigenen Beitrag zur langen Lebenserwartung in Deutschlands Südwesten leisten können – deshalb setzen wir bereits bei den Jüngsten an.“