×

Gengenbach: 07803 89-0
OG Ebertplatz: 0781 472-0
OG St. Josefsklinik: 0781 472-0

Fachkliniken | Offenburg Ebertplatz Allgemeinchirurgie, Viszeralchirurgie und Gefäßchirurgie Proktologie

Zurück zur Fachklinik

Proktologie

Beschwerden am Enddarm, obwohl immer noch ein Tabuthema, kommen sehr häufig vor. Aus Scham versuchen Betroffene häufig, das Problem zu ignorieren, oder mit Eigentherapie zu verbessern. Das führt in den meisten Fällen jedoch zu einer Verschlechterung. Daher kommt der gründlichen Information von Betroffenen eine große Bedeutung zu, um durch frühzeitige Diagnosestellung eine zielgerichtete Therapie einleiten zu können und somit die Ergebnisse und Prognosen der zugrunde liegenden Erkrankungen zu verbessern.

Nachfolgend möchten wir Sie über Hämorrhoiden und die Stuhlinkontinenz informieren. Eine ausführliche Beratung, Untersuchung und Therapieplanung erhalten Sie in der proktologischen Sprechstunde unserer Allgemeinchirurgischen Ambulanz.

Vertiefende Informationen

Was sind "Hämorrhoiden"?

Unter Hämorrhoiden versteht man einen ringförmigen Schwellkörper am Übergang vom Mastdarm (Rektum) zum After. Der hämorrhoidale Schwellkörper besteht aus netzförmig angeordneten feinen Blutgefäßen. Zusammen mit dem Schließmuskel (Analsphinkter) bildet er den Kontinenzapparat. Während der Schließmuskel den Austritt von festem Stuhl verhindert, wirken die Hämorrhoiden einem ungewollten Abgang von flüssigem Stuhl und Gas entgegen. Dabei füllt sich der Schwellkörper wie ein Schwamm in einem engen Zusammenspiel zwischen zuführenden Enddarm-Arterien und abführenden Venen innerhalb kürzester Zeit mit Blut. Bei einem dauerhaften Missverhältnis zwischen Zu- und Abfluss kommt es zu einer anhaltenden Schwellung des Polsters mit knötchenförmiger Aussackung.

Jeder Mensch hat mehr oder weniger stark ausgeprägte Hämorrhoiden. Erst eine dauerhafte (irreversible) Aussackung des Schwellkörpers jedoch besitzt Krankheitswert und ist als Hämorrhoidal-Leiden behandlungsbedürftig.

Das Hämorrhoidal-Leiden ist die häufigste Enddarm-Erkrankung. In den westlichen Industrieländern sind bis zu 50% der Bevölkerung in unterschiedlichem Ausmaß betroffen. In der Regel jedoch tritt es während des 30. und 60. Lebensjahr auf. Prinzipiell kann es in jedem Lebensalter unabhängig vom Geschlecht auftreten.

Wie entstehen "Hämorrhoiden"?

Die Hauptursache für eine zunehmende Aussackung des hämorrhoidalen Schwellkörpers ist ein erhöhter Druck im Gefäß-Netzwerk. Der venöse Abfluss der Gefäßschlingen wird abgedrückt und es entsteht ein zunehmender Blutstau. Durch eine übermäßige Erweiterung kommt es zu einer Schädigung der zartwandigen Blutgefäße, die im weiteren Verlauf zunehmend "ausleiern" und aussacken. Insbesondere faserarme Ernährung und unzureichende Flüssigkeitsaufnahme führen zu einer chronischen Verstopfung mit Notwendigkeit, während des Stuhlganges stark zu pressen, und erhöhen so den Druck im hämorrhoidalen Schwellkörper. Auch mangelnde Bewegung, eine vorwiegend sitzende Lebensweise, Übergewicht und falsches Stuhlverhalten (sog. Nachpressen und Zeitungslesen auf dem WC) fördern ein die Entstehung eines Hämorrhoidalleidens. Aufgrund eines erhöhten Druckes im Bauchraum und hormoneller Einflüsse tritt auch während der Schwangerschaft ein Hämorrhoidalleiden vermehrt auf. Dieses bildet sich nach Austragen der Schwangerschaft jedoch häufig zurück.

Die 4 Schweregrade der Hämorrhoiden

Je nach Ausprägung der Hämorrhoiden werden 4 Schweregrade unterschieden:

Stadium I: Im Stadium I sind die Hämorrhoiden von außen nicht sichtbar und nur vom Arzt durch eine Spiegelung des Analkanals ("Proktoskopie") zu erkennen. Auch beim Pressen oder während der Darmentleerung kommt es zu keinem Austritt der Hämorrhoidalknoten aus dem Analkanal.

Stadium II: In diesem Stadium wölben sich die Hämorrhoidalknoten während des Stuhlganges oder beim Pressen aus dem Analkanal hervor. In Ruhe gleiten die "prolabierten" Knoten anschließend wieder von selbst in den Anus zurück.

Stadium III: Im Gegensatz dazu gleiten die Knötchen bei zunehmender Vergrößerung im Stadium III nicht mehr spontan zurück, sondern müssen durch Druck mit dem Finger (manuell) zurückgeschoben werden.

Stadium IV: Im Stadium IV sind die Hämorrhoiden so stark vergrößert, dass sie außerhalb des Analkanals fixiert sind und auch nicht kurzfristig zurückgeschoben werden können. Im Stadium IV sind die Hämorrhoidalknoten ständig sichtbar.

Symptome

Die häufigste Symptome von Hämorrhoiden sind Schmerzen, Blutungen, Juckreiz und Nässen. Im Stadium I bemerken die Patienten häufig nur ein Druckgefühl oder selten krampfartige Schmerzen vor oder nach dem Stuhlgang. Im Stadium II und III können unabhängig vom Pressen Schmerzen auftreten. Ein fixierter Analprolaps (Stadium IV) ist in der Regel äußerst schmerzhaft.

Durch die zunehmende Aussackung der Hämorrhoiden werden die Wände der Blutgefäße immer dünner. Bei hartem Stuhlgang reißen die Gefäße ein und es kommt zu frischen (in der Regel hellroten) Blutungen. Diese treten zunächst nur beim Säubern mit dem Toilettenpapier als Schmierblutungen, später auch nach dem Stuhlgang mit Abgang von Blutstropfen in das WC auf. Dabei ist das Blut nicht mit dem Stuhl vermischt, sondern es liegt dem Stuhl auf. Auch wenn der vermeintliche Blutverlust beunruhigend scheint, wird die verlorene Blutmenge (wenige Mililiter) meist überschätzt.

Infolge der fortschreitenden Aussackung der Hämorrhoiden entwickelt sich eine zunehmende Funktionseinschränkung mit ungewolltem Abgang von Stuhl (Stuhlschmieren) und Schleim. Die austretende Feuchtigkeit wird zunächst nur als unangenehmes "Schwitzen" oder Nässen von den Patienten wahrgenommen. Langfristig führt sie jedoch zu einer permanenten Reizung der empfindlichen Haut mit Juckreiz, Brennen und Hautausschlag.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Schmerzen, Nässen, Stuhlschmieren und Blutungen sind diagnostische Hinweise für ein Hämorrhoidalleiden. Bei wiederkehrenden Beschwerden sollte ein Arzt aufgesucht werden. Bei Auftreten von Blutungen aus dem Anus ist eine ärztliche Untersuchung notwendig! 

Auch wenn vergrößerte Hämorrhoiden häufig ursächlich für diese Blutungen sind, müssen andere Blutungsquelle und insbesondere Dickdarm- und Mastdarmtumore durch eine Darmspiegelung (Koloskopie) ausgeschlossen werden!

Welche Diagnostik ist notwendig?

Am Anfang jeder Diagnostik steht die eine Anamnese, d.h. eine genaue Befragung nach Krankheitsbeginn, Beschwerden, bisheriger Therapie o.ä. Anschließend folgt eine körperliche Untersuchung. Dabei erfolgt eine "rektal-digitale" Untersuchung, d.h. das Austasten des Analkanals mit dem Finger. Hierbei lassen sich häufig vergrößerte Hämorrhoidalknoten schon tasten, der Schließmuskel beurteilen, aber auch Tumore des Mastdarms ausschließen. 

Durch eine Spiegelung des Mastdarms (Rektoskopie) und des Analkanals (Proktoskopie) wird der Schweregrad des Hämorrhoidalleidens bestimmt. Diese kann ohne Narkose ambulant durchgeführt werden. Eine spezielle Vorbereitung (z.B. Darmspülung) ist für eine Spiegelung des Mastdarms und des Analkanals nicht notwendig. Kurz vor der Untersuchung ist jedoch eine Entleerung des Mastdarms mit Hilfe eines Klistiers (d.h. eines kleinen Einlaufes) hilfreich.

Bei Blutungen aus dem Analkanal muss zum Ausschluss eines Tumors zusätzlich eine Spiegelung des gesamten Dickdarms durchgeführt werden. Um eine ausreichende Begutachtung zu gewährleisten, muss hierfür der Darm durch eine Darmspülung vollständig gereinigt werden.

Müssen Hämorrhoiden immer operiert werden?

Nein! Wenn Hämorrhoiden festgestellt werden, so ist dies nicht immer gleichbedeutend mit einer anstehenden Operation. Die meisten Formen des Hämorrhoidalleidens sind heutzutage ohne Operation behandelbar. Nur sehr fortgeschrittene Formen müssen noch operiert werden. Die Behandlungsform richtet sich nach der Ausprägung der Hämorrhoiden.

Konservative (nicht-operative) Therapie

Primäres Behandlungsziel ist häufig zunächst eine Schmerzlinderung. Diese erste "symptomatische" Behandlung basiert in der Regel auf schmerzbetäubenden Cremes, Lotionen, Tinkturen oder auch Salben. Sie betäuben die Oberfläche des Hämorrhoidalplexus und beseitigen somit Beschwerden, wie z.B. Schmerzen, Brennen und Jucken. "Adstringentien", wie z.B. Zinkund Aluminiumsalze, pflanzliche Gerbstoffe (Wismut, Kastanie) oder auch Tanine, ziehen die Hautoberfläche zusammen und wirken so abschwellend. "Antiphlogistika" (wie z.B. Cortison, Azulene oder Bufexamac) aber auch Sitzbäder mit Kamille, Hamamelis oder Eichenrinde hemmen eine Entzündung und führen zu einer Abschwellung des Hämorrhoidalplexus. Cremes oder Salben sollten 2–3 x tgl. in kleinen Mengen aufgetragen und anschießend einmassiert werden. Auch lauwarme Sitzbäder sollten mind. 2 x tgl. durchgeführt werden. Zäpfchen haben den Nachteil, dass sie oft in den Mastdarm wandern, dort aufgenommen werden und über die Blutbahn systemisch (d.h. überall) wirken.

Ziel der konservativen Therapie ist eine kurzfristige Linderung der Beschwerden. Nach max. zweiwöchiger Behandlung muss bei anhaltenden Beschwerden ein Arzt aufgesucht werden.

Sklerosierung / Verödung

Bei der Hämorrhoidenverödung wird während einer Spieglung des Analkanals (Proktoskopie) ein Verödungsmittel dicht oberhalb des Knoten eingespritzt, wodurch das Hämorrhoidengewebe vernarbt und sich die Hämorrhoiden zurückbilden. Dieses Verfahren verursacht keine Beschwerden und kann problemlos ohne Narkose ambulant durchgeführt werden. Meist treten nach einmaliger Verödung keine weiteren Blutungen auf, häufig sind jedoch bis zur vollständigen Beschwerdelinderung mehrere Sklerosierungen notwendig, so dass eine begleitende Therapie mit Salben und Sitzbädern sinnvoll ist.

Gummiband-Ligatur

Auch dieses Verfahren ist sehr schonend, kann problemlos ambulant und ohne Narkose durchgeführt werden. Bei der Gummibandligatur wird einfach ein kleines Gummiband über den Hämorrhoidenknoten gestülpt, wodurch der Knoten nach einer Woche einfach abfällt. Da man pro Sitzung nur einen Knoten Abbinden sollte sind für die komplette Behandlung 2-3 Sitzungen nötig. Die meisten Hämorrhoiden lassen sich auf diese Weise behandeln.

Operative Therapie

Eine effektive Therapie ausgeprägter Hämorrhoiden ist das Ausschneiden der Hämorrhoidalknoten. Hierbei wird auch das Hämorrhoidal-Gefäß unterbunden, so dass die Gefahr eines erneuten Auftretens von Hämorrhoiden sehr gering ist (Operationen nach Milligan-Morgan bzw. nach Parks).

Diese Operation wird unter Vollnarkose ambulant oder stationär durchgeführt.

Wie kann man Hämorrhoiden vorbeugen?

Hämorrhoiden sind häufig Folgen von festem Stuhlgang, Verstopfung und einem übermäßigen Pressen beim Stuhlgang. Achten Sie daher auf eine ausreichende Zufuhr von Ballaststoffen (z.B. Müsli, Vollkornbrot u.a.). Ballaststoffe quellen im Darm auf, steigern das Stuhlvolumen und binden Flüssigkeit. Ein weiterer wichtiger Punkt ist eine gleichzeitig hinreichende Trinkmenge. Trinken Sie 2 - 3 Liter Mineralwasser, Früchte- oder Kräutertee. Häufig reicht regelmässiges Trinken aus, um einer Verstopfung vorzubeugen. Wenn eine ausgewogene Ernährung nicht ausreicht und der Stuhl immer noch fest ist, kann mit Milchzucker oder Leinsamen der Stuhlgang reguliert werden.

Regulieren Sie Ihre Stuhlgewohnheiten. Geben Sie dem Stuhldrang so schnell nach wie es geht und vermeiden Sie so ein unnötiges Austrocknen des Stuhles. Während des Stuhlganges sollte man entspannt, leicht vorne übergebeugt sitzen und nicht unnötig stark pressen. Ein zu langes "Verweilen" (Zeitungslesen auf dem WC) führt zu einem unwillkürlich erhöhtem Dauertonus (Dauerdruck) und fördert somit ein Hämorrhoidalleiden.

Nach dem Stuhlgang sollten Sie auf eine gründliche Analhygiene achten. Dazu sollte die Region um den After nach jedem Stuhlgang gründlich mit kaltem Wasser gereinigt werden. Kaltes Wasser hilft gegen Schmerzen und den mitunter quälenden Juckreiz. Präparierte feuchte Toilettenpapiere sind nur bedingt geeignet, da sie, besonders wenn sie parfümiert sind, einen Juckreiz wieder auslösen oder verstärken können. Ferner empfiehlt es sich, Unterwäsche aus Baumwolle zu tragen, die Schweiß aufnimmt und kochfest ist.

Tägliche Bewegung fördert nicht nur eine geregelte Verdauung, sondern hilft auch Übergewicht zu reduzieren. Insbesondere bei vorwiegend sitzender Tätigkeit sollten Sie sich regelmäßig, am besten täglich, an frischer Luft bewegen.

Was versteht man unter "Stuhlinkontinenz" ?

Unter Stuhlinkontinenz versteht man die Unfähigkeit, Stuhl willentlich bis zur gewünschten Defäkation (Stuhlentleerung) zurückzuhalten. Entsprechend ihrer Ausprägung unterscheidet man 3 Schweregrade der Inkontinenz:

I° - Gelegentliches Stuhlschmieren oder Abgang von Darmgasen
II°- Unfähigkeit, flüssigen Stuhl willentlich zurückzuhalten
III° - Unfähigkeit, festen Stuhl willentlich zurückzuhalten

Sind viele Menschen von Stuhlinkontinenz betroffen?

Die meisten Betroffenen sind in ihrem Alltag und ihrem Sozialleben stark eingeschränkt, so dass sie selten soziale Kontakte pflegen können. Aufgrund der Scham mit ihrer Erkrankung in die Öffentlichkeit zu treten ist die Dunkelziffer sehr hoch. Die Zahl der Betroffenen wird in Deutschland auf etwa 0.3%–1.5%, also etwa 1.5 Mio Menschen geschätzt. Dabei leiden insbesondere Frauen und ältere Menschen an Inkontinenz.

Was sind die Ursachen einer Stuhlinkontinenz?

Die Ursachen der Stuhlinkontinenz sind vielfältig. Sowohl die Fähigkeit, Stuhl willentlich zurückzuhalten, als auch zu gewünschter Zeit zu entleeren erfordert ein komplexes Zusammenspiel von Schließmuskel, Beckenboden, Nervensystem und Mastdarm. Störungen einzelner Faktoren oder die Kombination mehrerer Faktoren können zur Inkontinenz führen. Bei einigen Patienten lässt sich trotz intensiver Diagnostik die Ursache der Inkontinenz nicht finden (sog. "idiopathische"
Inkontinenz).

Häufig gibt es jedoch körperliche Veränderungen, die eine Stuhlinkontinenz auslösen können. Hierzu gehören komplette und inkomplette Vorfälle des Mastdarmes, Hämorrhoiden und Verletzungen des Schließmuskels nach Entbindung oder Dammschnitt.

Bei einem inkompletten Vorfall des Mastdarms sprechen wir von einer Intussuszeption (s. Abbildung). Hierbei "stülpt" sich der Mastdarm in sich selbst ein. Dies kann sowohl zu chronischer Verstopfung führen, als auch zur Stuhlinkontinenz. Eine genaue Untersuchung mit Spiegelung und Röntgen kann diese Ursache meist schnell finden. Der komplette Vorfall des Mastdarms wird Rektumprolaps genannt (s. Abbildung). Dieser ist leicht bei der Untersuchung zu erkennen und wird in der Regel von den Patienten selbst bemerkt.

Ausgeprägte Hämorrhoiden können ebenfalls zu einer Stuhlinkontinenz führen. Bei diesen Veränderungen kann eine chirurgische Behandlung die Stuhlinkontinenz meist sehr gut beheben oder zumindest deutlich verbessern.

Anamnese

Die Basis jeder Diagnostik ist die ausführliche und gründliche Erfragung der Beschwerden ("Anamnese“). Dabei darf der Patient nicht lapidar mit der Tatsache, dass er den Stuhlgang nicht regulieren kann, "abgehandelt“ werden.

Wichtige Hinweise auf die Ursache der Stuhlinkontinenz sind neben der Stuhlfrequenz, d.h. der Häufigkeit des Stuhlganges, der Stuhlkonsistenz, d.h. die Form des Stuhles, das Vermögen, den Stuhlgang zu verzögern oder die Fähigkeit zu unterscheiden, ob der Mastdarm mit Stuhl oder lediglich Luft gefüllt ist ("Diskrimination“). Auch das Gefühl der unvollständigen Darmentleerung oder die Notwendigkeit von mehreren, kurz aufeinander folgenden Stuhlgängen sind vielsagende Anhaltspunkte. Wichtige Hinweise geben eingenommene Medikamente und vorangegangene Operationen. Da Verletzungen des Schließmuskels bei Entbindungen durch Dammschnitte oder -risse auftreten, können vorausgegangene Geburten ebenfalls wichtige Anhaltspunkte zur Klärung der Ursache sein.

Körperliche Untersuchung

Bei der körperlichen Untersuchung wird der Bauch sowohl abgetastet als auch abgehört. Dabei können die Darmgeräusche Hinweise auf Transportstörungen des Darmes geben. Beim Austasten des Enddarms können nicht nur Polypen oder Tumore nachgewiesen werden, sondern auch gleichzeitig der Tonus (Eigenspannung) des Schließmuskels in Ruhe und beim willkürlichen Kneifen untersucht werden.

Koloskopie, Rektoskopie, Proktoskopie

Die Spiegelung des gesamten Dickdarms (medizinisch: Koloskopie oder Kolonoskopie) und des Enddarms (Rektoskopie) gehört ebenso wie die Spiegelung des Analkanals (Proktoskopie) zur Basisdiagnostik der Stuhlinkontinenz. Bei der Koloskopie können Tumore, Polypen und Darmentzündungen ausgeschlossen werden. Durch die Proktoskopie (Spiegelung des Analkanals) können Hämorrhoiden nicht nur nachgewiesen, sondern ggf. auch gleichzeitig durch einen schmerzlosen, ambulanten Eingriff (Sklerosierung, Gummibandligatur) therapiert werden. Während eine spezielle Vorbereitung zur Proktoskopie nicht notwendig ist, muss vor einer Spiegelung des Dick- bzw. Mastdarmes eine Darmreinigung durchgeführt werden. Diese erfolgt vor einer Rektoskopie (Mastdarmspiegelung) durch einen den Patienten nicht belastenden Einlauf (sog. Klysma/Klistier). Vor einer Spiegelung des gesamten Darmes muss dieser durch eine Spülung vollständig gereinigt werden. Dies geschieht in der Regel am Vortag der Untersuchung durch das Trinken von Spülflüssigkeit.

Endosonographie des Schließmuskels

Die Endosonographie (Ultraschall-Untersuchung des Schließmuskels) ist schmerzlos und belastet den Patienten nicht. Während der Untersuchung wird eine kleine Sonde, die mit Wasser gefüllt ist und um 360° rotiert, in den Analkanal eingeführt. Mit Hilfe der Endosonographie können die verschiedenen Anteile des Schließmuskels dargestellt werden. Der "innere Schließmuskel“ sorgt durch eine ununterbrochene Anspannung für einen unwillkürlichen, d.h. nicht beeinflussbaren Verschluss des Afters, z. B. in der Nacht. Der "äußere Schließmuskel“ wird willkürlich vom Patienten gesteuert und kann durch "Kneifen“ die Darmentleerung verzögern. Verletzungen des Schließmuskels, wie sie z.B. nach Entbindungen oder nach Operationen auftreten, können durch eine sorgfältige Endosonographie schmerzlos und akkurat nachgewiesen werden.

Defäkographie

Die Defäkographie untersucht anatomische Veränderungen während des Stuhlganges. Dazu wird der Enddarm mit einem hochviskösen, zähen Röntgen-Kontrastmittel gefüllt und während des Stuhlganges ein (Video-) Röntgenfilm aufgenommen. Anschließend werden die funktionellen Abläufe während der Darm-Entleerung analysiert. Dabei können vor allem Aus- bzw. Einstülpungen/innere Vorfälle der Darmwand (sog. Rektocelen bzw. Intussuszeptionen) nachgewiesen werden.

Muss jede Stuhlinkontinenz operiert werden?

Nein! Zur "konservativen" Behandlung der idiopathischen Stuhlinkontinenz stehen eine Reihe von Therapieverfahren zur Verfügung. Nur bei sicherem und eindeutigem Nachweis von pathologischen Veränderungen des Enddarmes, des Schließmuskels oder des Hämorrhoidalkomplexes, sowie bei Versagen der konservativen Therapie ist eine Operation indiziert.

Welche operativen Verfahren gibt es?

Die operative Therapie richtet sich nach der Ursache der Stuhlinkontinenz. So werden z.B. kleine Verletzungen des Schließmuskels genäht, damit ein "rundum" sicherer Verschluss des Afters gewährleistet wird. Hämorrhoiden können entweder durch eine schmerzlose, ambulant durchgeführte Unterbindung ("Gummibandligatur") oder bei stark vergrößerten Knoten durch eine operative Ausschälung behandelt werden. Bei Aussackungen der Enddarmvorderwand kann die Ausstülpung durch eine vom Damm aus durchgeführte Operation gerafft werden ("Rektorrhaphie").
Auch bei Vorfällen des Enddarms ("Prolaps") kann eine Operation vom After aus durchgeführt und der prolabierende, vorfallende Darm reseziert (entfernt) werden. Um ein erneutes Einstülpen des Darmes zu verhindern wird nach Entfernen des betroffenen Darmsegmentes der Dickdarm durch ein Kunstoffnetz am Kreuzbein fixiert ("Resektionsrektopexie"). Diese Operation wird in der Regel in "Schlüsselloch-Technik" durchgeführt.

Wie wird die sogenannte "idiopathische Stuhlinkontinenz“ behandelt?

Kann eine Ursache der Stuhlinkontinenz nicht gefunden werden (sog. "idiopathische Inkontinenz“), stehen mehrere konservative (also nicht-operative) Therapien zur Verfügung:

Regulierung der Darmfunktion

Die Verbesserung der Darmfunktion zielt auf eine Zunahme von Stuhlkonsistenz und –volumen und kann durch den Patienten maßgeblich beeinflusst werden. Neben diätetischen Maßnahmen, wie z.B. der Aufnahme von ballaststoffarmer, faserreichen Kost und den Verzicht auf Koffein und Alkohol, sind Quellmittel nützlich.

Beckenboden-Gymnastik

Den verschiedenen Methoden der Beckenboden-Gymnastik (z.B. nach Schüssler oder Cantieni) ist gemein, dass sie ein AKTIVES Muskeltraining sind. Die Beckenboden-Gymnastik ist daher stark abhängig von der Mitarbeit des Patienten.

Elektrostimulation / Reizstromtherapie

Bei der Elektrostimulation wird durch die Applikation von einem Reizstrom der Schließmuskel PASSIV angespannt. Da, wie auch nach Beckenbodengymnastik und Biofeedbacktraining, eine Verbesserung der Schließmuskelfunktion nach Elektrostimulation erst in Wochen zu erzielen ist, brauchen die Patienten Geduld und Durchhaltevermögen.

Biofeedback-Training

Ziel des Biofeedback-Trainings ist ein Bewusstmachung der Schließmuskelanspannung durch optische oder akustische Signale. Nach Platzieren eines kleinen Ballons im Analkanal muss der Patient nach einem speziellen Übungsplan den Schließmuskel unterschiedlich lange anspannen. Das Erreichen eines vorher festgelegten Kneifdruckes wird dann durch das gewählte Signal dem Patienten mitgeteilt. Nahezu alle Patienten können von einem Biofeedback-Training profitieren. Ausnahmen sind Patienten mit einer Störung der nervalen Schließmuskelsteuerung oder Verletzungen des muskulären Sphinkters.

Welche Untersuchungen sind notwendig?

Endosonographie- Gerät (Ultraschall des Enddarms und Afters)

Endosonographie- Untersuchung

Röntgenuntersuchung der Stuhlentleerung (sog. Defäkographie)

Proktologischer Arbeitsplatz
Proktologischer Arbeitsplatz
Endosonographie-Untersuchung
Endosonographie-Untersuchung
Endosonographie-Gerät (Ultraschall des Enddarms und Afters)
Endosonographie-Gerät (Ultraschall des Enddarms und Afters)

Kooperationen

Das Onkologische Zentrum Ortenau

Die Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie Offenburg Ebertplatz ist Behandlungspartner des Onkologischen Zentrums Ortenau