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Positive Zukunftsperspektive für Klinikstandort Gengenbach

Der Krankenhausausschuss des Ortenaukreises empfiehlt dem Kreistag ein umfangreiches Maßnahmenbündel zur attraktiven und stabilen Nachnutzung

Für das Ortenau Klinikum in Gengenbach gibt es eine tragfähige Zukunftsperspektive. Der Krankenhausausschuss des Ortenaukreises hat heute dem Kreistag ein umfassendes Nachnutzungskonzept für den Klinikstandort Gengenbach zur Beschlussfassung empfohlen. Das im „Modell Landrat“ vorgesehene und von der Geschäftsführung des Ortenau Klinikums ausgearbeitete Nachnutzungskonzept geht teilweise auf Prüfaufträge des Ausschusses zurück.

Um den Klinikstandort Gengenbach nachhaltig zu sichern, umfasst das beschlossene Nachnutzungskonzept ein breites Bündel an konkreten Maßnahmen, über die der Ausschuss teilweise getrennt abstimmte. So sieht das Konzept die Einrichtung eines Sozialpädiatrischen Zentrums (SPZ) und eines stationären Heimplatzangebotes für beatmungspflichtige Kinder und Jugendliche mit 17 Plätzen vor. Für beide Maßnahmen stimmte der Ausschuss mit großer Mehrheit.

Außerdem soll der Standort Gengenbach 45 Plätze des Pflege- und Betreuungsheims Ortenau für stationäre Pflege und Kurzzeitpflege übernehmen. Zusätzlich soll eine ambulant betreute Wohngruppe für Menschen mit Hilfe- und Unterstützungsbedarf in Zusammenarbeit mit dem Gengenbacher Pflegenetzwerk eingerichtet werden. Noch geprüft werden soll, ob das Gesundheitsamt des Ortenaukreises am Standort Gengenbach angesiedelt werden kann. Auch diesen Vorschlägen zur Nachnutzung stimmte das Gremium bei lediglich einer Enthaltung zu.

Schließlich entschied der Ausschuss über die Bündelung der derzeit auf die Standorte Offenburg und Lahr aufgeteilte Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Standort Gengenbach. Die Maßnahme wird seitens des Sozialministeriums am Standort Gengenbach nicht befürwortet. Der Ausschuss sprach sich bei zwei Enthaltungen dafür aus, diese Option nochmals vertieft zu prüfen.

„Das Konzept sieht zahlreiche gute Vorschläge für eine attraktive und stabile Nachnutzung vor und schafft damit eine tragfähige Zukunftsperspektive für den Klinikstandort Gengenbach„, betonte Landrat Frank Scherer in der Ausschusssitzung. Ausdrücklich dankte er der Stadt Gengenbach und Bürgermeister Thorsten Erny für die sehr konstruktive Zusammenarbeit. „Dass wir das Konzept heute auf den Weg bringen können, ist maßgeblich dem engen Schulterschluss mit Bürgermeister Erny zu verdanken“, so der Landrat.

Das Nachnutzungskonzept geht auf eine Entscheidung des Kreistags vom 25. Juli 2017 zurück. Damals hatte das Gremium beschlossen, den Standort Gengenbach als akutstationären Versorger ab dem dritten Quartal 2018 aufzugeben. Zugleich soll der Klinikstandort in Gengenbach mit einem tragfähigen Nachnutzungskonzept erhalten bleiben.

Ortenau Klinikum-Geschäftsführer Christian Keller sieht bei einer  Umsetzung des Konzepts sogar eine  Ausweitung des medizinischen Leistungsangebots in der Region: „Insbesondere mit der Einrichtung eines Sozialpädiatrischen Zentrums und dem stationären Heimplatzangebot für beatmungspflichtige Kinder und Jugendliche schaffen wir Angebote, die bisher nicht im Ortenaukreis vorhanden waren und die es zwischen Freiburg und Karlsruhe so bisher nicht gibt.“ Insgesamt habe eine vertiefende Prüfung des Nachnutzungskonzepts ergeben, „dass eine Nachnutzung des Ortenau Klinikums in Gengenbach im Gesamtkontext des Leistungsportfolios des Ortenau Klinikums sinnvoll realisierbar ist.“ Die vorhandenen räumlichen Kapazitäten erlaubten hierbei eine Nutzung von mehreren Leistungsangeboten in Kombination, so Keller.

Die Einrichtung eines zentralen Bildungscampus, die ebenfalls auf einen Prüfauftrag aus dem Ausschuss zurückgeht, ist in dem Konzept nicht vorgesehen. Diese Möglichkeit sei zwar von der Grundrichtung aus Sicht der Geschäftsführung des Ortenau Klinikums positiv zu bewerten, jedoch aufgrund der zahlreichen parallel verlaufenden Ereignisse zeitlich zu früh. Auch wäre dies am Standort Gengenbach nur mit einem erheblichen baulichen Investitionsbedarf zu realisieren.

Über das Maßnahmenpaket wir der Kreistag in seiner Sitzung am 19. Dezember abschließend entscheiden.

Die wichtigsten Ergebnisse der Prüfungen zu den einzelnen Vorsachlägen sind:

Bündelung der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
Die Bündelung der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an einem gemeinsamen Standort wird nach Auffassung der Geschäftsführung des Ortenau Klinikums unter medizinischen wie wirtschaftlichen Gesichtspunkten grundsätzlich als sinnvoll angesehen und sollte weiter verfolgt werden. Auch das Sozialministerium ist dieser Auffassung, lehnt eine Bündelung am Standort Gengenbach jedoch ab.

Einrichtung eines Sozialpädiatrischen Zentrums (SPZ)
Der Aufbau eines Sozialpädiatrischen Zentrums (SPZ) für den Ortenaukreis wird von Dr. Stefan Stuhrmann, dem Chefarzt der Offenburger Kinderklinik, ausdrücklich gewünscht und befürwortet. „Für die Versorgung von Kindern mit Behinderungen und Entwicklungsverzögerungen im Ortenaukreis wäre die Einrichtung eines Sozialpädiatrischen Zentrums ein enormer Gewinn“, betont Dr. Stuhrmann.

Ein SPZ ist ein ambulantes, multidisziplinäres Behandlungsangebot für Säuglinge, Kinder, Jugendliche und deren Eltern, welche in ihrer Entwicklung beeinträchtigt, von Behinderung bedroht oder betroffen sind. Strukturell ist ein SPZ eine institutionelle Sonderform interdisziplinärer, ambulanter Krankenbehandlung unter ärztlicher Leitung, im Idealfall einem Neuropädiater.

Das Behandlungsspektrum eines SPZ umfasst hierbei beispielsweise Entwicklungsstörungen (u.a. nach Frühgeburtlichkeit), genetische Erkrankungen (z.B. Morbus Down), Stoffwechselerkrankungen, Erkrankungen des zentralen Nervensystems, Neuromuskuläre Erkrankungen, Epilepsien, angeborene Fehlbildungen des Gehirns und Rückenmarks, frühkindliche Hirnschädigungen sowie infantile Zerebralparesen.

Die enge Anbindung an eine Kinderklinik ist für ein SPZ essentiell. Eine Kooperationsnotwendigkeit mit einer gut ausgestatteten Kinderklinik ergibt sich sowohl im Hinblick auf die personellen Ressourcen als auch bezogen auf die apparativen, diagnostischen Möglichkeiten. Die enge Kooperation eines SPZ mit der Kinderklinik stellt gleichzeitig eine attraktive Erweiterung der Weiterbildungsmöglichkeiten für Assistenzärzte dar und ist damit geeignet, sich im intensiven Wettbewerb um medizinisches Fachpersonal besser zu positionieren.

Ferner kann davon ausgegangen werden, dass durch die Erweiterung des ambulanten Behandlungsangebotes auch das behandelte Patientenspektrum im stationären Setting eine Ausweitung erfahren wird, da die im SPZ behandelte Kinder und Jugendliche im Vergleich zu gesunden Kindern ihrer Altersgruppe häufiger von Hospitalisation betroffen sind.

In Gengenbach wäre das Platzangebot für die Anforderungen an die räumliche Ausstattung eines SPZ vorhanden – wenngleich auch Umbaumaßnahmen erforderlich werden.

Einrichtung eines stationären Heimplatzangebotes für beatmungspflichtige Kinder und Jugendliche
Die Einrichtung eines stationären Heimplatzangebotes für beatmungspflichtige Kinder und Jugendliche in Kombination mit dem Aufbau eines sozialpädiatrischen Zentrums würde eine Verbesserung der regionalen wie überregionalen Versorgungssituation im Bereich von Kindern und Jugendlichen bedeuten und wäre zudem wirtschaftlich abbildbar. Die Realisierung ist hierbei abhängig von der Gewinnung von zusätzlichem ausreichend qualifizierten Fachpersonal sowie einer baulichen Ausweitung der Kinderintensivbetten am Standort Ebertplatz. Auch wenn sich der Standort Ebertplatz für eine Lokalisation beider Angebote insgesamt vorteilhafter darstellt, wäre eine Realisierung am Standort Gengenbach sehr gut umsetzbar. Diese Empfehlung erfolgt insbesondere unter Berücksichtigung der beengten räumlichen Situation am Standort Ebertplatz.

Zielgruppe einer solchen Einrichtung sind dauerhaft beatmungspflichtige Kinder und Jugendliche von drei Monate bis 18 Jahre. Dauerhaft beatmungspflichtig bedeutet eine kontinuierliche (auch intermittierende) Beatmungstherapie, bei der unter Beachtung der Grunderkrankung nicht abzusehen ist, dass eine Entwöhnung von der Beatmung innerhalb eines überschaubaren Zeitraumes (i.d.R. 6 Monate) gelingen kann. Zum Spektrum der zugrundeliegenden Krankheitsbilder zählen insbesondere angeborene, genetische Erkrankungen (z.B. Spinale Muskelatrophie mit Atemnot, Mukoviszidose, Mitochondriopathie, Stüve-Wiedemann-Syndrom), Folgeschäden einer Frühgeburt/ Geburtsproblematiken, infantile Cerebralparese oder ein Krankheitszustand nach Unfällen (z.B. Schädel-Hirn-Trauma, Ertrinkungsunfälle).

Bei gleichzeitiger Inbetriebnahme eines Sozialpädiatrischen Zentrums (SPZ) würde sich der Standortnachteil hinsichtlich der Entfernung von der Kinderklinik Offenburg-Ebertplatz, durch die Präsenz der am SPZ tätigen Kinderärzte relativieren. Dies hängt von der Gewinnung von zusätzlichem ausreichend qualifiziertem Fachpersonal ab. Das Behandlungsspektrum der beiden Institutionen zeigt große Schnittmengen auf, so dass von der ärztlichen Kompetenz „Vor-Ort“ i.S. von ambulanten Interventionsmöglichkeiten/Visiten profitiert werden könnte. Ferner gäbe es Synergien bei der gemeinsamen Nutzung von Physiotherapie, Logopädie oder Ergotherapie Angeboten mit entsprechend positiven wirtschaftlichen Konsequenzen.

45 Pflegeplätze des Pflege- und Betreuungsheimes Gengenbach-Fußbach
Das Pflege- und Betreuungsheim muss seine Struktur auf Grund der Vorgaben der Landesheimbauverordnung verändern und zentral Pflegeplätze am Standort Fußbach abbauen. Durch eine dezentrale Struktur könnte dieser Pflegeplatzabbau gemindert werden. Eine Auslagerung von 45 Pflegeplätzen in das Gebäude des Gengenbacher Krankenhauses würde eine optimale Möglichkeit hierzu darstellen.

Das Ortenau Klinikum hat oftmals Schwierigkeiten, pflegebedürftige Patienten, die keiner akutstationären medizinischen Behandlung mehr bedürfen, in entsprechende Pflegeeinrichtungen zu verlegen.

Für diese Fälle könnten von den 45 stationären Plätzen bis zu 10 Kurzzeitpflegeplätze für das Ortenau Klinikum vorgesehen werden. Die für eine stationäre Pflegeeinrichtung geforderten, gesetzlichen baulichen Voraussetzungen wie beispielsweise Mindestgröße oder Barrierefreiheit sind am Standort in Gengenbach grundsätzlich vorhanden. Ein Großteil der (medizinischen) Infrastruktur könnte weiter verwendet werden.

Einrichtung einer ambulant betreuten Wohngruppe mit 8 Plätzen für Menschen mit Hilfe und Unterstützungsbedarf nach dem Wohn-, Teilhabe- und Pflegegesetz gemeinsam mit dem Gengenbacher Pflegenetzwerk e.V.
Durch die Einrichtung einer ambulant betreuten Wohngruppe für Menschen mit Hilfe und Unterstützungsbedarf nach dem Wohn-, Teilhabe- und Pflegegesetz leistet das PBO zusammen mit dem Gengenbacher Pflegenetzwerk e.V. einen Beitrag zum gesetzlich gewünschten Ausbau ambulanter Betreuungsangebote. Die für eine ambulant betreute Wohngruppe erforderlichen baulichen Voraussetzungen sind in Gengenbach vorhanden. Erste Sondierungsgespräche mit dem Pflegenetzwerk haben stattgefunden.

Unterbringung des Gesundheitsamtes am Standort Gengenbach
Das Gesundheitsamt ist mit 38 seiner insgesamt 54 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern derzeit in Offenburg, in der Badstraße im Bau B des Landratsamtes lokalisiert. Weitere Räumlichkeiten befinden sich im Bau A des Landratsamtes mit 3 Mitarbeitern sowie in der Poststraße in Offenburg mit 7 Mitarbeitern. Eine zusätzliche Außenstelle besteht in Lahr mit 6 Mitarbeitern.

Aufgrund des sehr beengten räumlichen Angebotes im Landratsamt, insbesondere aufgrund von Personalmehrungen im Bereich der Zuwanderung und der Änderung des Unterhaltsvorschussgesetzes, würde eine Bündelung der Offenburger Standorte des Gesundheitsamtes am Klinikstandort Gengenbach zur Entspannung der Raumprobleme beitragen und die Synergien in einigen Bereichen heben. Die Nutzung der kreiseigenen Liegenschaft in Gengenbach könnte dazu gute Voraussetzungen bieten. Eine gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr mit vertretbaren Wegen für die Besucher und Mitarbeiter wäre gegeben. Die Stadt Gengenbach würde durch die Ansiedlung einer Kreisbehörde gestärkt werden.