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An der roten Ampel den Stress abbauen

Psychologe und Achtsamkeitsforscher Dr. Stefan Schmidt spricht über Stressbewältigung und Selbstfürsorge auf dem ersten „Resilienztag“ für Mitarbeiter am Ortenau Klinikum in Offenburg

Psychologe und Achtsamkeitsforscher Dr. Stefan Schmidt bei seinem Vortrag im Auditorium des Ortenau Klinikums in Offenburg, Standort St. Josefsklinik vor den Teilnehmern des Resilienztages. © Ortenau Klinikum

Offenburg, 28. September 2017 – Wie kann Selbstfürsorge und Stressbewältigung besonders im Arbeitsalltag einer Klinik gelingen? Mit dieser Frage hat sich am vergangenen Mittwoch ein erstmals vom Ortenau Klinikum Offenburg-Gengenbach veranstalteter Resilienztag für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Klinik befasst. Rund 300 Pflegekräfte, Ärzte und Auszubildende der Pflegeberufe nahmen an der Veranstaltung teil, die einen Impulsvortrag sowie vier Workshop-Angebote enthielt.

Begrüßt wurden die Teilnehmer von Professor Dr. Jörg Laubenberger, Ärztlicher Direktor der Klinik und Chefarzt des Radiologischen Instituts, der die zunehmende Arbeitsverdichtung in Kliniken in Deutschland bemängelte. Das Ortenau Klinikum Offenburg-Gengenbach begegne dieser Tendenz unter anderem durch interne Fortbildungen, Veranstaltungen der Betrieblichen Gesundheitsförderung wie auch durch organisatorische Maßnahmen. „Unser Ziel ist es immer, möglichst viel Zeit für die Arbeit am Patienten zu haben“, so Professor Dr. Laubenberger. Der erstmals angebotene Resilienztag solle Möglichkeiten aufzeigen, wie man gemeinschaftlich diesem Ziel näher kommen könne. In einer kurzen Einführung erläuterte Psychotherapeut und Psychoonkologe Bernd Hug vom Ortenau Klinikum Offenburg-Gengenbach den Begriff Resilienz, der ungeachtet unterschiedlicher Auslegungen zumeist als Fähigkeit der Krisenbewältigung verstanden werde.

In seinem Hauptvortrag „Innere Ruhe entwickeln – Impulse zur Stressbewältigung und Selbstfürsorge“ gab der Psychologe und Achtsamkeitsforscher Dr. Stefan Schmidt von der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universitätsklinik Freiburg konkrete Hinweise für die Stressbewältigung im Alltag. Gängigen Optimierungsstrategien oder etwa Techniken zum Zeitmanagement erteilte er bezogen auf Stressabbau eine Absage. „Das Erlernen und Anwenden müssen dieser Techniken bedeutet meist nur zusätzlichen Stress“, so Dr. Schmidt.

Als eine Ursache für Stress machte der Psychologe ein in vielen Lebensbereichen herrschendes Überangebot aus: „Wir leben in einer Multioptionsgesellschaft.“ Ständig müssten die Menschen auswählen und sich entscheiden. Auch der Wusch nach Individualität, die ständige Fokussierung auf Ziele sowie eine pausenlose „soziale Beschleunigung“ setze Menschen unter Stress. „Dabei ist kurzzeitiger Stress nicht das Problem, sondern wenn er zum Dauerzustand wird“, so Dr. Schmidt. Auf Stress-Phasen sollten immer wieder Ruhe-Phasen folgen. Dauerstress führe dagegen zu Depression und Burnout. Wichtig sei vor allem, selbst Stress zu erkennen und regulieren zu können.

Zur Stressbewältigung empfahl Schmidt Achtsamkeit, Gelassenheit und Muße. „Mit der Achtsamkeit müssen wir dorthin gehen, wo wir gerade sind“, so der Psychologe. So könne man die Schlange vor der Supermarktkasse oder die rote Ampel auch als Zeit für eine kurze Entspannung nutzen, als sich über einen vermeintlichen Zeitverlust zu ärgern. Dieses Prinzip lasse sich auch in den Arbeitsalltag integrieren. In einer Klinik könne beispielsweise die mehrmals täglich vorgenommene Händedesinfektion für solch einen Moment der Achtsamkeit genutzt werden. Am Ende seines Vortrages stellte Dr. Schmidt ein Programm vor, dass die Techniken der Stressbewältigung und Selbstfürsorge in den Arbeitsalltag speziell von Kliniken integrieren hilft.

Ganz konkret konnten sich die Teilnehmer der Veranstaltung im Anschluss in vier Workshops mit den Themenschwerpunkten „Progressive Muskelrelaxation“, „Yoga/ Achtsamkeit“, „Tai Chi/ Achtsamkeit in der Bewegung“ und „Zen-Meditation“ mit verschiedenen Achtsamkeitsübungen vertraut machen.