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Zehn Jahre Ethikkomitee am Ortenau Klinikum Offenburg-Gengenbach

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Gremium bietet Ärzten, Pflegenden und Angehörigen Hilfestellung in ethischen Konfliktsituationen

Offenburg, 4. Mai 2017 – Die medizinische Behandlung von Menschen wirft nicht selten auch ethische Fragen auf. Vor allem in der stationären medizinischen Versorgung sehen sich Ärzte, Pflegende, Angehörige und manchmal auch die betroffenen Patienten selbst mit ethischen Konflikten konfrontiert: Sollen bestimmte Behandlungsmaßnahmen beendet, die künstliche Ernährung eingestellt, der Übergang in eine palliative Versorgung eingeleitet werden? Kliniken in Deutschland, die die Abwägung solcher Fragen ernst nehmen und Betroffene bei schwierigen Entscheidungen unterstützen, haben ein Ethikkomitee eingerichtet.

Am Ortenau Klinikum Offenburg-Gengenbach kann das Ethikkomitee in diesem Jahr bereits auf sein 10-jähriges Jubiläum zurückblicken. Ziel des Gremiums ist die Hilfestellung in ethischen Konfliktsituationen bei der Patientenversorgung sowie der Austausch über ethische Fragen im Klinikalltag. „Die Arbeit unseres Ethikkomitee soll gewährleisten, dass der Dienst am Menschen und der Schutz der Patientinnen und Patienten auch bei schwierigen Entscheidungen stets oberste Priorität hat“, betonen der Ärztliche Direktor Professor Dr. Jörg Laubenberger, Pflegedirektor Markus Bossong und Verwaltungsdirektor Mathias Halsinger.

Das Ethikkomitee des Ortenau Klinikums Offenburg-Gengenbach ist ein Forum für kontroverse Entscheidungsfälle im Klinikalltag. Es besteht aus 14 Mitgliedern verschiedener Berufs- und Personengruppen, ist nicht weisungsgebunden und arbeitet streng vertraulich. Geleitet wird das Gremium von Paul Drum, Nervenarzt im Bereich Klinische Geriatrie und Rehabilitationswesen und Bernd Hug, Diplompsychologe, Psychotherapeut und Psychoonkologe des Ortenau Klinikums in Offenburg. Mit der allgemein zunehmenden Lebenserwartung steigt auch das Alter der in den Kliniken versorgten Patienten. Eine zunehmende Zahl kann nicht mehr über sich selbst entscheiden. Deshalb stelle sich beispielsweise vermehrt die Frage nach dem mutmaßlichen Willer der betroffenen Patienten oder inwieweit eine vorhandene Patientenverfügung richtig angewendet werde, betonen Paul Drum und Bernd Hug.

Eine wichtige Aufgabe des Ethikkomitees ist somit die fallbezogene ethische Beratung. Dabei werden Empfehlungen zu ethischen Fragen in der Behandlung, Pflege und Versorgung ausgesprochen. Eine solche Beratung kann jederzeit von Mitarbeitern, Patienten und Angehörigen angefordert werden. Die Mitglieder des Ethikkomitees kommen dann zu einem sogenannten Konsil zusammen, um die spezifische Konfliktsituation zu erörtern und Empfehlungen auszusprechen. Rund 100 Konsile hat der Ethikrat in den vergangenen Jahren seit seinem Bestehen abgehalten.

Zu den weiteren Aufgaben des Gremiums zählen die Beratung von Klinikleitung und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in ethischen Grundsatzfragen, Empfehlungen zu ethischen Fragen auf Grundlage anerkannter Richtlinien sowie die Fort- und Weiterbildung. „Auch hier liegt die Bedeutung des Ethikkomitees nicht darin, ethische Richtlinien vorzugeben oder die Wertefahne hochzuhalten“, betonten Paul Drum und Bern Hug. „Wir können aber diese Themen auf der Tagesordnung halten, können Anregungen geben und einen Rahmen anbieten.“ Je hektischer der Arbeitsalltag sei, umso notwendiger seien Angebote, sich auf die eigenen Werte zu besinnen, so die beiden Leiter des Ethikkomitees.

Aus Anlass des 10-jährigen Bestehens veranstaltete das Ortenau Klinikum Offenburg-Gengenbach am 3. Mai einen Ethiktag, zu dem die Klinik als Hauptredner den Freiburger Medizinethiker Professor Dr. Giovanni Maio, Direktor des Instituts für Ethik und Geschichte der Medizin an der Universität Freiburg, gewinnen konnte. In seinem Impulsvortrag sprach er über das Thema „Ohne Zuwendung ist alles nichts – Über die Umwertung der Werte in der ökonomischen Medizin“. Außerdem diskutierten die Teilnehmer der Veranstaltung, an der Ärzte, Pflegekräfte und weitere Fachkräfte des Ortenau Klinikums teilnahmen, in mehreren Arbeitsgruppen über verschiedene ethische Themenkomplexe aus dem Klinikalltag.