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Ortenau Klinikum Offenburg-Gengenbach erhält Zertifizierung für optimiertes Blutmanagement

Oberarzt der Anästhesiologie für Engagement bei der Einführung eines Patient Blood Managements (PBM) ausgezeichnet / Zahl der verabreichten Blutkonserven um ein Drittel gesenkt

Professor Dr. Wolfram Engelhardt und Dr. Josef Thoma vom Ortenau Klinikum Offenburg Gengenbach ( 4. und 5. v.l.) nahmen das Zertifikat entgegen. Insgesamt erhielten bisher 16 Kliniken bundesweit die Zertifizierung.

Oberarzt Dr. Josef Thoma (m.) erhält von Professor Dr. Patrick Meybohm (l.) und Professor Dr. Dr. Kai Zacharowski (r.), beide von der Universitätsklinik Frankfurt am Main und Projektleiter des Deutschen Netzwerks Patient Blood Management, den deutschen PBM-Preis.

Das Ortenau Klinikum Offenburg-Gengenbach ist vom Deutschen Patient Blood Management Netzwerk für sein optimiertes Blutmanagement zertifiziert worden. Die Zertifizierung bestätigt die Einhaltung der durch das Netzwerk entwickelten Standards. Professor Dr. Wolfram Engelhardt, Chefarzt der Anästhesie am Ortenau Klinikum Offenburg-Gengenbach, und Oberarzt Dr. Josef Thoma, die das Patient Blood Management an der gesamten Klinik eingeführt haben, konnten das Zertifikat Ende März beim „Global Patient Blood Management Symposium“ in Frankfurt entgegennehmen. Gleichzeitig wurde Dr. Thoma, der maßgeblich für die klinikweite Umsetzung des Konzepts verantwortlich ist, für sein Engagement mit dem deutschen PBM-Preis ausgezeichnet. Der Offenburger Facharzt für Anästhesiologie und Intensivmedizin hatte bei der Veranstaltung, bei der namhafte Referenten unter anderem aus den USA, Australien sowie Großbritannien auftraten, zudem in einem Vortrag die Umsetzung des Projekts am Ortenau Klinikum Offenburg-Gengenbach vorstellen können.

„Mit der erfolgreichen Einführung des Patient Blood Managements haben wir die Patientenversorgung weiter verbessern können. Ich freue mich, dass diese Anstrengungen nun mit der Zertifizierung Anerkennung finden und das große persönliche Engagement bei der Umsetzung des Projekts ausgezeichnet wird“, betont Mathias Halsinger, Verwaltungsdirektor des Ortenau Klinikums Offenburg-Gengenbach.

Die Klinik hat das PBM-Konzept im Herbst 2015 eingeführt, um die Versorgung von Patienten mit größeren, planbaren Operationen weiter zu verbessern. Es sieht vor, Bluttransfusionen weitgehend zu vermeiden und bevorzugt blutsparende Verfahren anzuwenden. „Das Konzept stellt den Patienten in den Mittelpunkt der Behandlung, nicht Blutprodukte und ihre Verwendung“, betont Professor Dr. Engelhardt.

Nach einer aktuellen Datenauswertung durch die Universitätsklinik Frankfurt, die das PBM-Konzept entwickelt und ein Netzwerk (www.patientbloodmanagement.de) von über 100 beteiligten Kliniken aufgebaut hat, konnte das Ortenau Klinikum in Offenburg die Zahl der verabreichten Blutkonserven um rund ein Drittel senken. Die Behandlungsergebnisse blieben gleich gut und die Verweildauer der Patienten nach einer Operation ging im Durchschnitt zurück. „Für eine Akut-Klinik ist das ein sehr gutes Ergebnis“, betont Dr. Josef Thoma. Die Auswertung beruhe auf den Daten von rund 12.000 Patienten pro Jahr im Alter über achtzehn Jahre, die am Ortenau Klinikum in Offenburg stationär operiert wurden.

Patient Blood Management wird von der Weltgesundheitsorganisation WHO weltweit empfohlen. Viele Studien hätten in jüngster Zeit gezeigt, dass Patienten nach einer Transfusion von Fremdblut anfälliger für Komplikationen sind. Außerdem gingen Transfusionsmediziner vor dem Hintergrund der aktuellen demographischen Entwicklung davon aus, dass in den nächsten Jahren die Zahl verfügbarer Blutkonserven sinke, so Dr. Thoma.

Seit dem Herbst 2015 werden alle Patienten vor größeren, planbaren Operationen am Ortenau Klinikum in Offenburg und Gengenbach vor dem Eingriff auf eine Anämie, also eine Blutarmut, untersucht. Sie ist die Hauptursache für eine Fremdblutgabe bei der Operation und erhöht das Risiko für Komplikationen. Bis zur Hälfte aller Patienten sind davon betroffen, ohne es zu wissen. Demzufolge rücken die Anämiediagnostik- und therapie als wesentliche Bausteine eines PBM zunehmend in den Focus. Bei Patienten mit Blutarmut wird die zumeist auf Eisenmangel zurückgehende Erkrankung zunächst behandelt. Danach bilden die Patienten die benötigten Blutzellen innerhalb von wenigen Tagen bis Wochen selbst.

Während der Operation werden so wenig Blutkonserven wie möglich übertragen. Vor jeder Bluttransfusion wird nach den Leitlinien der Bundesärztekammer geprüft, ob eine Bluttransfusion aus medizinischen Gründen unverzichtbar ist.

Und schließlich werden durch verschiedene fremdblutsparende Maßnahmen während der Operation, wie etwa einem Gerinnungsmanagement, einem Wärmemanagement und das Sammeln und Rückführen von Blut, Blutverluste reduziert. Auch nach dem Eingriff sieht das Konzept blutsparende Verfahren vor.

Das Konzept wird in allen operativen Abteilungen wie etwa der Allgemein- und Viszeralchirurgie, der Unfallchirurgie, Orthopädie und der Urologie der Klinik umgesetzt.